Eine Familiengeschichte seit über 200 Jahren
Am 20. August 1786 wurde Johann Leonhard Dollinger auf der Kochsmühle geboren. Er war Wirt und Bierbrauer und heiratete am 25. Oktober 1825 Kunigunde Leydel aus Alfershausen. Wann genau er nach Bergen kam oder ob er die Gastwirtschaft kaufte oder erbte, ist nicht überliefert. Fest steht jedoch: Er gilt als Stammvater der Familie Dollinger, die das Gasthaus bis heute betreibt.
Sein Sohn Matthias sowie sein Enkel Johann Adam führten die Tradition fort – ebenfalls als Wirte und Bierbrauer.
Vom Hausbier zur regionalen Braukunst
Bis vor rund 100 Jahren wurde das Bier direkt in der eigenen Hausbrauerei hergestellt und in der Gaststube ausgeschenkt. Je nach Jahreszeit variierte die Stärke des Bieres: kräftiger im Winter, leichter im Sommer. Da es damals keine Kühlmöglichkeiten gab, lagerte man die Bierfässer im Felsenkeller am alten Geyerer Berg.
Mit der Zeit verschwanden die Hausbrauereien. Auch Johann Adam Dollinger entschied sich – vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen – dafür, das Bier von einer Brauerei zu beziehen. Seitdem wird bis heute das Bier der Ritter St. Georgen Brauerei in Nennslingen ausgeschenkt.
Verantwortung für Wirtshaus und Gemeinde
Georg Dollinger führte das Gasthaus von 1928 bis 1938 und übernahm in dieser Zeit zusätzlich das Amt des 1. Bürgermeisters von Bergen. Ein schwerer Einschnitt für die Familie war der Tod seines Sohnes Johann Adam, der mit Marie Ellinger verheiratet war und am 4. September 1943 in Russland fiel.
Sein Bruder Johann Georg heiratete am 10. Mai 1949 dessen Witwe. Gemeinsam führten sie die Gastwirtschaft weiter. Auch nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1981 blieb sie dem Betrieb treu und führte ihn mit großem Engagement fort.
Ein Generationenwechsel mit Weitblick
Aus der ersten Ehe von Johann Georg stammt die Tochter Anneliese, die am 5. Januar 1963 Walter Loy aus Mühlstetten heiratete. Viele Jahre lang führten Walter und Anneliese die Gastwirtschaft weiter – parallel zur Landwirtschaft in Mühlstetten. Das bedeutete einen hohen zeitlichen Aufwand, da sie regelmäßig zwischen Mühlstetten und Bergen pendelten.
Vom „Hirschen“ zum „Heustadl“
1983 plante man zunächst einen Neubau mit Fremdenzimmern am alten Standort. Dieses Vorhaben wurde jedoch verworfen, da sich die großzügige Scheune anbot, die inzwischen betriebswirtschaftlich nicht mehr benötigt wurde.
Mit der Einweihung der neuen Gaststätte erhielt das Haus auch seinen heutigen Namen: Aus dem „Gasthaus zum Hirschen“ wurde „Zum Heustadl“.
Heute: Tradition in Familienhand
Im Jahr 2001 wurde die Gastwirtschaft um ein geräumiges Nebenzimmer erweitert. Nach dem Tod von Walter Loy übergab Anneliese den Betrieb 2006 an ihren Sohn Bernd. Gemeinsam mit seiner Familie führt er das Gasthaus bis heute weiter – mit Respekt vor der Geschichte und Blick in die Zukunft.

